„Schwedisch ist für Deutsche doch ziemlich einfach zu lernen.“ Das habe ich früher immer wieder gehört. Viele Wörter seien ähnlich oder sogar identisch, die Grammatik vergleichsweise unkompliziert.
Aber stimmt das wirklich?
Nach mittlerweile 20 Jahren in Schweden und vielen Jahren, in denen ich schwedisch täglich lese, schreibe und spreche, sehe ich das etwas differenzierter.
Schwedisch lesen und schreiben – tatsächlich recht einfach
Als ich nach Schweden kam, konnte ich erstaunlich schnell einiges verstehen. Viele Wörter erinnerten mich an deutsche oder englische Begriffe, und auch beim Lesen konnte ich relativ schnell Fortschritte machen.
Lesen und Schreiben fielen mir tatsächlich vergleichsweise leicht.
Schon nach wenigen Monaten konnte ich schwedische Texte recht gut lesen und mich schriftlich verständlich ausdrücken.
Beim Sprechen sah die Sache allerdings ganz anders aus.
Die Aussprache – eine ganz andere Geschichte
Niemand hatte mich damals darauf vorbereitet, wie anders die schwedischen Vokale ausgesprochen werden.
Ein Å klingt ungefähr wie ein deutsches O, während das schwedische O eher in Richtung U geht. Das schwedische U wiederum erinnert an das deutsche Ü.
Und auch bei den Konsonanten wird es nicht unbedingt einfacher.
Ein G kann wie ein J klingen, ein K wird je nach Wort und Position manchmal wie ein K und manchmal eher wie ein deutsches „CH“ ausgesprochen.
Überhaupt hatte ich anfangs häufig das Gefühl, dass die schwedische Sprache ziemlich inkonsequent ist. Ein Buchstabe kann – abhängig vom Wort und seiner Position – unterschiedlich ausgesprochen werden.
Natürlich ist das vermutlich eine Erfahrung, die viele Menschen machen, wenn sie eine neue Sprache lernen. Trotzdem kann es gerade am Anfang ziemlich verwirrend sein.
Die schwedische Sprachmelodie ist völlig anders
Noch schwieriger als einzelne Laute fand ich die Betonung und Sprachmelodie.
Schwedisch klingt für deutsche Ohren nicht nur deshalb anders, weil die einzelnen Buchstaben anders ausgesprochen werden. Die gesamte Melodie eines Wortes und eines Satzes ist eine andere.
Und genau hier habe ich festgestellt, dass Deutsche schwedische Wörter häufig ganz automatisch „deutsch“ aussprechen und betonen.
Das beginnt schon bei alltäglichen Städtenamen.
Ein Deutscher spricht beispielsweise Gällivare anders aus, als es ein Schwede tun würde. Auch Luleå wird von Deutschen häufig so ausgesprochen, wie man es anhand der Schreibweise erwarten würde – während die schwedische Aussprache für deutsche Ohren ganz anders klingt.
So bekommen schwedische Städte manchmal beinahe einen eigenen deutschen Namen, den ein Schwede vermutlich kaum wiedererkennen würde.
Nach 20 Jahren: Akzentfrei bin ich immer noch nicht
Nach vielen Jahren in Schweden und durch die tägliche Anwendung habe ich die schwedische Aussprache natürlich deutlich besser gelernt.
Akzentfrei bin ich allerdings auch nach 20 Jahren nicht.
Und das finde ich interessant.
Was beim Lernen von Englisch oder Finnisch in Bezug auf die Aussprache vielleicht einige Monate gedauert hat, hat beim Schwedischen bei mir Jahre gebraucht.
Trotzdem spreche und schreibe ich heute Schwedisch deutlich besser als Englisch. Der Grund ist eigentlich ganz einfach: Ich benutze Schwedisch jeden Tag.
Sprache lernt man eben nicht nur aus Büchern. Man lernt sie durch Zuhören, Nachahmen, Sprechen, Fehler machen – und vor allem durch den täglichen Umgang mit ihr.
Ist Schwedisch nun einfach oder nicht?
Mein persönliches Fazit nach 20 Jahren in Schweden:
Schwedisch ist für Deutsche vielleicht leichter zu lernen als manche andere Sprachen – aber wirklich einfach ist es nicht.
Gerade wenn man nicht nur ein paar Sätze verstehen oder sich im Alltag verständigen möchte, sondern die Sprache wirklich gut sprechen und dabei auch den richtigen „Ton“ treffen möchte, wird es anspruchsvoller.
Die vielen ähnlichen Wörter zwischen Deutsch und Schwedisch sind definitiv eine große Hilfe. Beim Lesen und beim Aufbau des Wortschatzes können sie einen schnellen Einstieg ermöglichen.
Die Aussprache, die Sprachmelodie und die richtige Betonung sind dagegen eine ganz andere Herausforderung.
Vielleicht liegt es aber auch an meinen eigenen Ansprüchen. Als jemand, der sich intensiv mit Sprachen beschäftigt, möchte ich nicht einfach nur verstanden werden. Ich möchte möglichst natürlich sprechen und die Sprache so verwenden, wie sie tatsächlich klingt.
Und dafür braucht es Zeit.
Sehr viel Zeit.
Wie sind eure Erfahrungen mit der schwedischen Sprache?
Habt ihr schwedisch gelernt?
Fiel es euch leicht oder schwer, schwedisch zu lernen?
Und wie ging es euch mit der Aussprache und der schwedischen Sprachmelodie?
Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen – besonders von denen, die schwedisch als Deutsche oder Deutscher gelernt haben.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen